Solozeiten

Solozeiten

…und damals, als wir fast noch Kinder waren.


Ich erinnere mich noch an jeden Song, den du auf deiner Gitarre gespielt hast, damals und so lange her, damals, als wir fast noch Kinder waren und ich zu deinen Klängen gesungen hab. Wir hatten und wollten nur unser Zusammensein, von Freund zu Freund und der gemeinsamen Liebe zur Musik. Egal, was morgen sein würde, was die Zukunft für uns vorgesehen hatte, so hungrig unsere Seelen, so brennend unsere Leidenschaft fürs Erleben des Augenblicks. So viele, endlose Nächte, die uns die Melodien zugeflüstert haben.

Wir haben uns geliebt, uns verstanden und vertraut, ohne daran zu denken, dass es mal anders sein könnte, zwischen uns und dem, was uns so innig und tief verbunden hatte. Wir brauchten keine großen Worte, keine Erklärungen, wenn die Feuer der Sehnsüchte zu sehr loderten, haben uns dann nur angesehen und gespürt, dass unsere Musik sie wieder besänftigen würde, diese Flammen, so lodernd und brennend. Wie eine Droge war sie, diese Musik, für uns, wie ein geheimer Zufluchtsort, von dem nur wir wussten und den wir gehütet und behütet haben, als wäre er ein Kind. Unser Kind. So sensibel und zerbrechlich, wie wir selbst.

Und dann eines Tages, fast unbemerkt und doch mit einem Schlag der Erkenntnis, so schmerzlich, als das Erwachsenwerden uns trennte, uns keinen gemeinsamen Weg mehr gehen lassen wollte, uns die Musik, unsere Melodien nahm und den Schlüssel zu unserem geheimen Ort und unseren Zeiten.

Jahre, so viele Jahre des Erwachsenwerdens, des Erlebens, des Sammelns der Erfahrungen. Und des Vergessens, wie wir einmal waren und niemals wieder sein werden. Bittersüß, die Erinnerungen, kaum mehr zu hören, unsere Songs, kreiert in längst verblassten Zeiten und verschlossen an diesem Ort, der unser Zuhause war und zu dem es keine Rückkehr mehr gab. Für uns.

Doch manchmal noch, dann, wenn die Stille der Nacht mich in meinen Erinnerungen versinken lässt, dann kann ich es hören, das Zupfen deiner Gitarrensaiten, kann sie hören, diese eine ganz besondere, diese intensive Melodie, geschrieben aus Noten der Sehnsucht und Melancholie, die uns vor allem ausgemacht, die uns so sehr verbunden hatte. Diese eine Melodie, die auch davon erzählt, wie wir waren, wir, zwei Seelenhungrige, die sich für eine Zeit begegnet sind und die mich mit der beruhigenden Gewissheit zurücklässt, dass es gut ist, dass es so sein sollte, wie es war.

Und jetzt ist.

 

8 Meinungen zu “Solozeiten

  1. Musik verbindet mehr als Worte es je könnten….
    Deine Erinnerungen, wie sie hier beschrieben sind, kommen dem aber
    sehr, sehr nahe!

  2. Ein leiser Text getragen von den den leisen unaufdringlichen Melodien deiner Worte, die du zu einer ganz eigenen Komposition zusammen zu fügen verstehst. Die Begegnung zweier Menschen für eine Zeit des gemeinsamen Weges, den man wohl nie vergisst und in den Erinnerungen einen festen, unauslöschbaren Platz haben. Ich mag diese Melodie! Smile

  3. Die Musik, die gemeinsame Kunst ist eine zauberhaft und über Zwei hinaus Bindende – sind zwei entbunden – ja, im besten Fall trägt sie beide in Liebe über die Entbindung hinaus – ins Jetzt – manchmal, weil wir nur Menschen sind, verhext sie bindend … und manchmal landen die Kinder der Kunst statt im Olymp … dort, wo man sich nicht umsehen darf … che faro senza Euridice …
    Schöner Text … danke.

  4. Ich wiederhole mich eigentlich ungern, ich mach’s trotzdem: Immer wieder schaffst du es, mit treffenden Worten Gefühle zu beschreiben.
    Ich glaubte es zu hören, das Klingen der Gitarrensaiten, auch wenn ich die Melodie nicht kenne.

  5. Gemeinsam Musik zu machen ist eine wunderbare Sache, es bleibt meist auch recht viel an Verbindendem, manchmal bleibt eine melancholische kleine Melodie, die in der Sprachmelodie deines Textes wohl Eingang gefunden hat… Smile

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