So

So, wie ich bin

…und nichts, was von mir übrig bleibt. Vielleicht.


Es gibt diese Tage.

So grau und schwer, dass sie kaum zu ertragen sind. Tage, die ich kaum ertragen kann. Sie kommen einfach aus irgendeinem Winkel meines verqueren Seins, aus irgendeinem Gedanken heraus und quälen mich. Spielen das ewige, horrende Spiel, ein Spiel, das ich jedes Mal verliere. Ich mit meinen Selbstzweifeln und der Hoffnungslosigkeit, ich, ein Feigling vor dem Leben, ein Feigling vor mir selbst und meine chaotischen, verletzten Gefühlen.

Ich habe längst vergessen, längst verdrängt mich selbst zu sehen und zu fühlen. Zu fühlen, dass es mich gibt. Ich habe vergessen mich selbst in den Arm nehmen zu können, mich zu akzeptieren und anzunehmen wie ich bin und nicht anders sein kann. Ein Mensch mit Wünschen und Träumen, mit Bedürfnissen und der Sehnsucht einfach nur gesehen, gespürt und dafür gemocht vielleicht sogar geliebt zu werden. So, wie ich nun mal bin. Nicht von denen, die mir aufrichtig zugetan waren und sind, die mich liebten und die es mit mir versuchten, immer und immer wieder in den Jahren meines Lebens. Und die letztlich immer die Karte der Verlierer zogen, weil sie nicht die gewesen sind, nicht Jene sein konnten und niemals sein werden, von denen ich mir genau das Zeit meines Seins erhofft habe und immer noch erhoffe. Manchmal.

Etwas, was mein sehnsuchtskrankes Herz dennoch nicht wagt, vorbehaltlos anzunehmen.

Ich, der jegliche Zuneigung jedes Mal zurückgestoßen hatte, aus Angst, dass meine Erwiderung am Ende genauso zertreten und in den Schmutz gezogen wird, wie von denen, die aus mir gemacht haben, was aus mir geworden ist und nach deren Liebe und Respekt ich mich bis heute sehne und doch niemals bekommen werde. Nicht von jenen, die sich Eltern nennen. Ich weiß, dass es sinnlos ist Vergangenem hinterher zu trauern, ich weiß, dass es Andere, Wertvollere und Aufrichtigere gab und gibt, die mir all das geben wollten und immer noch wollen. Aber so sehr ich mich danach sehne, so sehr ich all das möchte – so sehr habe ich immer wieder Angst davor, es zu spüren. Zu glauben, vertrauen zu können. Mich fallen lassen, loslassen und annehmen zu können. Manchmal und immer wieder.

Ich hasse diese Tage, hasse mich manchmal für meine Angst, für meine Mutlosigkeit und die vergiftende Resignation, für meinen Unglauben auf ein besseres Morgen. Für die Verweigerung auf ein Leben jenseits aller selbst zweifelnden Gedanken und Gefühle, die in mir lodern und sich schreiend mitteilen wollen. Ich verabscheue das eiserne Geflecht meines vermeintlichen Selbstschutzes und der Sprachlosigkeit, das mich einsam macht und jede Freude, jeden Augenblick des aufkommenden Glücks und Zufriedenheit erstickt und mich immer wieder dorthin zurückwirft. Dorthin wo ich glaube, hinzugehören – weil Jene es mir so eingeprügelt haben.

In den faulenden Dreck meines wertlosen, überflüssigen Ichs.

Ich.

Zu oft weiß ich nicht mal was es bedeutet, so etwas wie Ich zu sein. Habe gelernt mich anzupassen, jedem gut und dabei dennoch stets auf der Hut zu sein und immer mit Bedacht, diese harte, unwirkliche Maske zu tragen. Diese Maske, entworfen aus erfahrenen Schmerzen, kreiert, um mich und meine Zerbrechlichkeit zu schützen. Gemeißelt mit dem Bewusstsein, niemals frei und ich selbst zu sein. Nicht frei, bis ich den Kampf, den endlosen Krieg mit mir und den Geistern des Gestern endlich aufgeben und erkennen kann, dass Frieden gleichbedeutend mit dem ist wonach meiner Sehnsucht brannte, so lange ich denken und fühlen kann. Zu leben, zu lieben und die Liebe, die Blicke anderer für mich in mein Herz zu lassen. Es zu öffnen, dieses mein Herz – ohne misstrauisch zu hinterfragen, ohne Furcht und ohne der trügerischen Gaukelei, doch nur wieder der Verlierer zu sein.

Ein Verlierer, der ich nie hätte sein müssen.

Ich weiß das alles, weiß, dass es so einfach sein könnte und auch anders ist. Manchmal. Aber nicht an solchen Tagen wie diesen, dann, wenn ich fürchte keine Kraft mehr zu haben. Dann, wenn ich es spüre, wenn mir wieder mal eiskalt bewusst wird, dass die Jahre an mir vorbeigerast sind, dass ich an meinem Leben vorbeigerast bin. Aus Angst zu leben und zu sein, wie ich bin. An solchen Tagen und viel zu vielen davon und dann, wenn ich mich wieder mal sprachlos in meine Welt zurückziehe. Einer Welt voller Erinnerungen und Bilder, die ich behüte und bewahre. Und die ich beschütze und verstecke, weil sie von mir erzählen, diese Bilder und Erinnerungen. Von mir und so, wie ich wirklich bin und sein kann. Ohne Angst und Misstrauen, ohne Angst, dass auch sie zertreten, dass sie zerstört und ins Nichts zerfallen wird. Diese Welt meines Schutzes.

An diesen Tagen wünsche ich mir manchmal nichts mehr, als dass das alles endlich aufhört, dass es endlich vorbei und zu Ende ist. Dieses Gestern und die ewigen Schmerzen, meine Selbstzweifel und mein Sein. Und doch habe ich Angst vor dem was unabänderlich und eines Tages kommen wird, Angst vor dem letzten, müden Schlag meines Herzens. Dieser letzte Atemzug, der mein Leben aushauchen und mitnehmen wird, irgendwann und vielleicht schon morgen. Ausgehaucht, ohne vielleicht doch noch wenigstens für eine kurze Zeit so gewesen zu sein, wie ich wirklich bin und doch verlernt habe zu sein. Frei, ohne Angst, ohne Misstrauen und ohne diese Maske, gesponnen aus reinem Selbstschutz und auch der Feigheit vor mir selbst und meinen Gefühlen.

Diese Maske die am Ende dafür sorgen wird, dass nichts von mir übrig bleibt wenn ich sie nicht endlich fallen lasse, wenn ich nicht endlich erkenne, tief verborgen in mir begreife, dass ich sie längst nicht mehr brauche. Diese schützende Maske. Dass sie längst verblasst sein könnten und es vielleicht sogar schon sind.

Diese Dämonen meiner Kindheit.

 

13 Meinungen zu “So, wie ich bin

  1. Hilflosigkeit – das spüren Andere, die “es” nicht erlebt haben einem traumatisieren Menschen gegenüber, oder die es erlebt haben und andere Ressourcen haben, sich einhäuten können in etwas Schützendes – möchte mit ihrer Lösung helfen.

    Wenn ein traumatisierter Mensch trotz aller Hilfe, trotz aller Arbeit an sich selbst, trotz allem Überwachsenlassen immer wieder in die Abgründe gerät, sich immer wieder enthäutet, weil er offen bleiben will, unerstarrt – trotz allem – ist es manchmal schwer auszuhalten für die Anderen.

    Da gibt es viele Reaktionen, die von genervt bis Unglauben, von Aggression und Unterstellung “mehr” zu wollen als “gerechterweise” allen zusteht, bis zu Ignoranz, Zynismus, Spott und Verleugnung, dass es “soetwas” überhaupt gibt, reichen.

    Einfach nur da sein, nicht zu handeln, nichts zu tun, außer immer wieder geduldig zuhören, ohne Lösungen zu suchen oder zu wollen – jeder Mensch, der das schafft, hat sehr viel für sich selbst und die menschliche Gemeinschaft getan.

    Jeder der es nicht kann, ist für mich menschlich verstehbar – wir wollen alle das Schöne, Leichte, Einfache.

    Masken? Ich weiß nicht – wenn durch die Maske die Person hindurchscheint, wenn die Maske flexibel ist und hilft im Außen, ist für mich nichts gegen sie zu sagen – meint auch ein großer alter Vater der Psychologie – C.G.Jung.

    Eine gute Geschichte zur Geduld.
    Danke

  2. Ein trauriger Rückblick auf dein Leben, der mich fassungslos macht. Nie werde ich verstehen, wie man eine Kinderseele so furchtbar verletzen kann. Das diese Selbstzweifel immer wieder mal zum Vorschein kommen, ist verständlich.
    Ich wünsche dir Menschen, die dich in solchen Stunden auffangen und dir zeigen, dass du es wert bist, so geliebt und akzeptiert wirst wie du bist.

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