Parmesan

Parmesanraspelfüße

Ein Flip-Flop-Trauma der unteren Art.


Es verhält sich ja so, dass ich ein recht ästhetischer Mensch zu sein pflege – man könnte es auch pingelig nennen. Pingelig in dem Sinne, dass die Dinge im Allgemeinen ordentlich und sauber sprich gepflegt sein müssen. Gut, hab ich mich beim Essen mal bekleckert, renne ich nicht gleich kreischend zum Schrank und wechsle das versaute Oberteil, die Hose oder sonst was, was ich in meiner leidenschaftlichen Essleidenschaft besabbert habe – und solange ich damit nicht vor die Türe gehe oder das Kleckergut klebt oder schmiert. Das ist genauso ekelig wie Toastkrümmel an der Butter in der Dose, da krieg ich ebenso Krise. Will sagen – alles was dem leiblichen Gaumengenuss dient, sollte ebenso genüsslich präsentiert werden – wie man sich in Sachen gepflegtes Aussehen sowohl Klamotten- wie auch körpermäßig präsentieren sollte.

Klar kann und darf man ruhig auch mal leicht verlottert unrasiert und Haare zu Berge stehend durch die Gegend tappern, wenn man mal nicht durchgestylt wie dereinst Coco Chanel, sondern noch bettwarmdampfend des Morgens zum Bäcker seines Vertrauens wankt. Das hat je nach dem Charme und was Niedliches, solange man das nicht müffelnd und mit ranzigen Pinkelflecken auf Jogginghose tut, wie es bei so manchem männlichen Wesen igittigitterweise immer wieder zu sehen ist. Leider. Nun gibt es ja ebenfalls leider immer wieder genug liebe Mitmenschen, die es nicht so mit der Pingeligkeit haben – gerade was Körper- und Kleiderpflege betrifft. Menschen, die noch nie etwas von einer professionellen Zahnreinigung gehört haben müssen und einen ungehemmt mit vergilbten bis faulen Hauern anblecken, jene, denen noch nie ein Deo, ein Shampoo oder Duschzeugs in die Quere gekommen sein muss, so wie die gegen jede Regel des guten Riechsinnes anstinken und verknast daherkommen.

Jene, die sich gerade in den Sommerzeiten in viel zu enge, kurze und zudem geschmacklose Klamotten zwängen und ihren fettleibigen Wanst zwecks luftiger Sonnenbräunung nackich über den Hosen- oder Rockbund heraushängend zur allgemeinen Schau darstellen. Das eigentlich Schlimme daran ist, dass ich da auch noch hingucke, wenn mir Solches begegnet. Man könnte meinen, ich bin pervers und was ich eigentlich nicht bin. Aber irgendwie scheint es – trotz der Gefahr sich mal wieder ein paar Lippenherpesbeulen vor Ekel einzufangen – irgendwas Faszinierendes an sich zu haben. Das Hingucken. Vielleicht was Ungläubiges, was Fassungsloses, dass es tatsächlich jede Menge Leute gibt die so durch die Gegend spazieren und sich dann auch noch wundern, wenn man neben ihnen angesichts des pikanten Duftes ihres Körpers in eine erlösende Ohnmacht geknallt ist – oder zumindest schielend keuchend von dannen und aus der Gefahrenzone schwankt.

Bei so nem Körperterror möchte man den Begriff „Toleranz“ liebend gerne in die Tonne kloppen und stattdessen nen Hochdruckstrahler sprich Wasserwerfer auf Jene loszielen, die einem gerade Aug & Nase verätzt haben.

Auch bei Füßen der besonderen Art.

Es ist ja so, kaum dass die ersten frühlingswarmen Sonnenstrahlen aus dem Winterschlaf erwacht sind, erwacht auch bei vielen der Wunsch nach freigelegten Füßen in Flip-Flops und ähnlichem. Das ist ja schön und gut und nachvollziehbar – wenn die Füße denn auch rosig sauber daher kommen würden. Kommen sie aber nicht immer und immer öfter mit etwas, was eine liebe und sehr geschätzte Freundin vor kurzem als „Parmesanraspelfüße“ zu benennen meinte. Die Lady hat nen unschlagbar trocken schwarzen Humor, der meinem sehr nahe kommt und mir blieb freilich nix anderes übrig, als über diese Bezeichnung schallend quiekend zu lachen.

Doof nur, dass mir das Lachen inzwischen gründlich vergangen ist.

Ich weiß jetzt nicht so genau wem die Schuldzuweisung gebührt – ihr für diesen Begriff, käsig-rissige Käseschmandfüße auf den Punkt zu bringen – oder mir, weil ich dieses Bild bei meiner blühenden Fantasie so verinnerlicht habe, dass ich vergangenen Sommer ständig auf die Füße irgendwelcher Leute glotzte. Innerlich kreischend, versteht sich. Und ob das nicht schon fatal genug wäre, das mit dem Hinglotzen, ach, mit solchen Füßen überhaupt – nein, unsereins kocht ja gerne und zu einer leckeren Pasta mit ebenso leckerer Tomatensoße, gehört ja im Allgemeinen auch ne ordentliche Portion Parmesan der geraspelten Art.

Noch doofer, dass ich seitdem fortan auf meinen Tomatensoßennudeln immer Füße gesehen und beim Anblick dessen das parmesanige Grausen bekommen habe, so grausig, dass ich seitdem mir und meinem Magen zuliebe auf diesen ansonsten äußerst kulinarisch leckeren Genuss verzichte. Aber naja, das ist ja irgendwie auch wieder gut für meine dralle Figur, Parmesan ist eh zu fett und was den kommenden Sommer betrifft, werde ich wohl draußen eine besonders blickdichte Jackie O Brille tragen müssen.

Meinem Speiseplan zuliebe.

 

13 Meinungen zu “Parmesanraspelfüße

  1. Nööö, so empfindlich bin ich bei entsprechendem Abstand nicht.
    Solche Menschen und Gerüche oder Gedanken lasse ich nicht in meinen eigenen Dunstkreis! Wink
    Aber wie immer witzig geschildert!

  2. hihi… seit ich auf der intensivstation arbeite, kann mich kaum noch etwas schocken, was gerüche oder versäumnisse in sachen körperpflege angeht. und kleidungsmäßig ist das ja bei uns auch einfach… die leute sind nackig, nur die nicht beatmeten patienten tragen krankenhausnachthemden – hinten offen.

    nachdem ich anfangs noch etwas würgen musste, wenn abgesaugtes bronchialsekret “brockig” aussah, kann es heute passieren, dass die probenbehälter keinen meter von meiner kaffeetasse entfernt stehen, während ich meinen kollegen erzähle, dass ich finde, dass das zeug wie wurstsuppe aussieht.

    Smile

  3. Bist du empfindlich – ich denk beim Essen einfach nicht an solche Anblicke ;o)

    Dann fall ich auch nicht vom Fleisch Alien

    Allerdings habe ich sehr oft zustimmend genickt beim Lesen ^^

  4. Ja, versteh ich wohl nur zu gut. Also seit ich dafür einen Begriff habe fällt mir das auch noch öfter auf. Noch schlimmer finde ich allerdings Nagelpilzzehen. Ihhhhhh.

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