Menschen

Menschen an meiner Seite

Gefühlschaos und Gedankenwirrwar, Gedankenwirrwar und Gefühlschaos.


Mir ist es in den letzten Wochen fast so, als würde ich jeden Moment überschnappen. Einfach mal eben durchdrehen, weil ich zuweilen das Gefühl habe, all diese gewaltigen und unterschiedlichen Emotionen nicht mehr aushalten zu können. So ballern sie auf mich ein, all diese Farben meiner Emotionen. Etwas, was ich so schon lange nicht mehr empfunden habe, oder vielleicht sogar noch nie. Zumindest kann ich mich daran nicht mehr erinnern und vielleicht deshalb, weil ich schon vor sehr, sehr langer Zeit gelernt habe, meine Gefühle zu kontrollieren, sie zu verstecken. Aus Angst, ich könnte wieder verletzt werden, jemand könnte wieder auf ihnen rumtrampeln. Aus dem angeeigneten Glauben heraus, dass mir Gefühle nicht zustehen, dass ich das Fühlen nicht verdient habe. Ich weiß, das klingt bescheuert, aber so ist es nun mal lange in mir gewesen. Kontrolliert und abweisend allem und jedem gegenüber. Bloß nichts und niemanden an mich heranlassen, bloß nicht von dem zeigen, was ich tatsächlich fühle und auch denke.

Selbstschutz, Selbstschutz und nochmals Selbstschutz.

Mir blieb vermeintlich gar nichts anderes übrig, es so zu halten, wie ich es so viele Jahre getan habe. Fand für mich keinen anderen Weg, als mich auf diese Weise zu schützen und ja, auch zu überleben. Zu tief, die Verletzungen, die Erinnerungen an Zeiten und Menschen, die mir mein Ich zertrümmert haben und das ich nur mühsam wieder einigermaßen aufbauen konnte, indem ich gleichzeitig eine Mauer um meine Seele, mein Herz, meine Gefühle anlegte. Eine Mauer, die mich davor bewahrte, zu resignieren, aufzugeben und mein Leben der Endgültigkeit zu überlassen. Eine Mauer, die mich dennoch nicht leben ließ, wie ich es mir gewünscht, wie ich es auch verdient hätte: frei und mit einem Stückchen Glück. So wie jeder andere Mensch auch. Zu groß war meine Angst, mein Misstrauen, doch nur wieder verletzt, gedemütigt und abgelehnt zu werden. Was für eine beschissene Angst, was für ein trügerischer Schutz, über so viele Jahre. Vergeudete, dahindämmernde Jahre.

Ich könnte mich darüber ärgern, mich grämen und hinterfragen, weshalb das so gewesen ist, warum ich es nicht anders zulassen konnte, wie ich es zugelassen habe. Wie ich nur und nicht anders leben, überleben konnte. Aber das wäre ebenso vergeudete Zeit. Zeit, die durch mein Leben gerast ist und mich hier und jetzt vor ein paar Wochen in dieses Heute geschmissen hat. Pur, nackt, verletzlich und angreifbar. Und es ist seltsam, dass ich keine Angst mehr habe, nicht mehr diese Art von Angst, die mich so lange ausgebremst, die mich nicht hat frei leben lassen. Ängstlich bin ich schon, ein bisschen vielleicht, aber nicht mehr ängstlich genug, um mich wieder zu verweigern, mich wieder zu verschließen. Doch, das fällt für Momente schon schwer, da zu bleiben, nicht wieder wegzurennen und dicht zu machen. Aber ich weiß jetzt von Tag zu Tag mehr, dass ich keine Angst mehr haben muss, dass man, dass ich trotzdem immer wieder mal verletzt werden kann, dass meine Gefühle missachtet, nicht gesehen werden könnten. So ist es nun mal im Leben, heute grau und morgen in den hellsten, schönsten Farben. Niemand ist davor geschützt, dass auch mal was weh tun kann, und ich auch nicht.

Vor einigen Tagen habe ich vielleicht zum ersten Mal gespürt, wie sehr ich den Menschen an meiner Seite liebe, wie viel er mir bedeutet und wie sehr ich ihm vertraue. Klar, das alles wusste und weiß ich schon seit Jahren, aber ich konnte es nie wirklich spüren, auch nie wirklich zeigen. Und dann, vor ein paar Tagen, hat es mich richtig gerissen. Ich habe gespürt, habe gefühlt. Gezittert habe ich, Tränen liefen hemmungslos über mein Gesicht und es war, als hätten sie diese verdammte Mauer Stein für Stein hinweggewaschen. Verwirrt war ich, ja, und auch ängstlich. Ich konnte gar nicht begreifen, was da plötzlich mit mir geschah. Weh hat es getan, irgendwie. Zu erkennen, zu spüren, dass ich doch noch da bin, mich doch noch nicht verloren und aufgegeben habe. Dass ich noch lebe und dass ich nicht alleine bin. Dass mich jemand aufrichtig und von ganzem Herzen liebt, so wie ich bin – und ich ihm das auch zurückgeben kann, wie er es verdient und so viele Jahre darauf gewartet hat, dieser Mensch an meiner Seite.

Und als wäre dieses emotionale Chaos noch nicht genug, als sollte ich jetzt volle Breitseite kriegen, damit ich endlich das Leben begreife und es mit all seinen Farben zulassen und erleben kann, taucht ein anderer Mensch wieder in meinem Sein auf. Jemand, der mir aus einem ganz bestimmten Grund näher steht als alles andere, als jeder andere und den ich vor vielen Jahren zurücklassen musste, so zwingend die Umstände damals waren, so schwach und mutlos wie ich damals war. Jetzt hat er mich wiedergefunden, dieser ganz besondere Mensch und ich hoffe, dass wir uns nie wieder verlieren werden, dass wir nachholen können, was uns über 30 Jahre entgangen ist, weil die Dinge damals so waren, wie sie waren und sich nicht mehr ändern lassen. Vielleicht ist es aber auch so, dass wir nichts von all dem nachholen können, vielleicht wird es aber so sein, dass wir die noch kommenden Zeiten gemeinsam erleben und verbringen können. Vielleicht wird einiges wieder weh tun, vielleicht schnappe ich, schnappen wir aber auch über vor diesem Gefühl namens Glück, und vielleicht alles zusammen oder doch ganz anders.

Ja, das ist Chaos Emotional, aber es ist irgendwie schön und so neu, so intensiv und ich lass das Denken jetzt einfach mal und fühle weiter, egal was kommt. Zuzulassen, was zugelassen gehört. Für diese beiden ganz besonderen und liebenswerten Menschen an meiner Seite.

Und für mich.

 

12 Meinungen zu “Menschen an meiner Seite

  1. erstmal zum Text selber: gut geschrieben – hat irgendwie Tagebuchcharacter. Das Gefühlswirrwarr – und -chaos kommt gut rüber! Der Zeitenwechsel gefällt mir besonders gut – stilistisch und vor Allem inhaltlich!

    zum Inhalt :
    “Zuzulassen, was zugelassen gehört. Für diese beiden ganz besonderen und liebenswerten Menschen an meiner Seite.
    Und für mich.”

    sind für mich DIE Schlüsselsätze!!!

    und ansonsten schließe ich mich Mariannes Komm an Wink

  2. Wer keinen Menschen an seiner Seite hat, ist lange nicht so reich wie die, die einen an ihrer Seite haben. Es gibt Menschen die behaupten, dass sie niemanden an ihrer Seite brauchen. Das glaube ich nicht. Menschen sind dafür geschaffen von Mensch zu Mensch zu sein.

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