Andropause

Männlich ist die Andropause

Schweinchenrosa auf zwei Beinen und eine scheitelziehende Tastatur. Oder so.


Seit einiger Zeit geschehen seltsame Dinge mit mir. Sehr seltsame Dinge. Zunächst habe ich es nicht wirklich registriert, vielleicht wollte ich es unbewusst auch gar nicht. Bis zu dem Tag, als ich morgens aufwachte und im eigenen Saft lag. Wie unangenehm. Ich schmiss meine Klamotten von mir, duschte, wechselte die Bettwäsche und machte mir keine weiteren Gedanken. Manchmal schwitzt man eben. Ich bin aber nicht „man“ und „manchmal“ schon mal erst recht nicht. Will sagen, fortan schwitzte ich jede Nacht. Und es wurde immer schlimmer. So langsam machte ich mir doch Gedanken. Esse ich irgendwie anders? Rauche ich zuviel? Bin ich gestresst? Trinke ich zuwenig? Fragen über Fragen und keine vernünftige Antwort. Nun gut, einfach mal abwarten und beobachten, ich muss ja nicht gleich zum Arzt rennen, wird schon nichts sein. Vielleicht hab ich mich in der letzten Zeit einfach ein bisschen übernommen, bin ja auch nicht mehr der knackig Jüngste vor dem Herrn.

So ab 40 geht’s langsam abwärts und der Körper beginnt sich auf die wohlverdiente Rente vorzubereiten. Selbstverständlich ohne mal höflich nachzufragen, ob’s genehm ist. Und er fragt auch nicht, ob es mir gerade recht ist, schweinchenrot zu werden und in einer geselligen Runde mit Freunden brachial in Schweiß auszubrechen. Sehr unhöflich. Die Nummer mit dem Nachtschweiß kann man ja prima für sich behalten, bekommt ja außer dem Partner niemand mit. Was anderes ist es allerdings, wenn man, also ich, an der Käsetheke steht und das Schweinchen in mir meint, gerade jetzt seinen Auftritt haben zu wollen. Oder während einer Theatervorstellung, im Gespräch mit einem Kunden und besonders dann, wenn alle um mich herum frösteln und ich hingegen das Heizöfchen auf zwei Beinen gebe. Gut, mein rosafarbener Teint stellt sicher, nicht übersehen zu werden – selbst wenn ich gerade nicht gesehen werden will.

Aber mal ernsthaft. Irgendetwas war plötzlich mit mir nicht mehr in Ordnung. Abgesehen von den Hitzewallungen, hatte ich immer öfter Gliederreißen, war ständig müde, hätte den ganzen Tag nur essen können, verfiel in depressive Stimmungen und wurde zunehmend gereizter, was man im Allgemeinen auch zickig nennt. Na wunderbar. Hinzu kam, ohne jetzt von erwähnenswerter Eitelkeit zu sein, dass meine Klamotten irgendwie zwackten und mich auf Körperregionen aufmerksam machte, die ich vorher so nie bemerkte. Welche, spare ich jetzt mal elegant aus, denn lachen kann ich immer noch gut über mich selbst. Hübsch gesagt, denn zum Lachen war mir eigentlich nicht mehr. Ich suhlte mich in Selbstmitleid. Und sah meinem Ende entgegen. Sicher hatte ich ne ganz schlimme Krankheit und würde bald den Löffel abgeben. Ganz sicher. Aber nein, wir wollen uns doch jetzt bitte nicht in irgendwelche ominösen Krankheiten reinsteigern und zum Hypochonder werden. Oder doch? Bevor ich nun anfing, mir ne passende Urne nebst ruhigem Plätzchen auszusuchen, entschied ich mich dann doch, mal den Herrn Doktor aufzusuchen. Kann ja nicht schaden. Ich muss dazu sagen, dass der Arzt meines Vertrauens noch so einer ist, der sich wirklich mit seinen Patienten und deren Probleme auseinander setzt und sich genügend Zeit nimmt.

Er nahm sich Zeit. Ich quengelte und erzählte, diskutierte, fragte und beantwortete wiederum brav seine Fragen. Dass das Schweinchen dabei war, muss ich jetzt nicht extra betonen, oder? Herr Doktor schlug vor, sicherheitshalber mal einige Untersuchungen zu machen, auch wenn er nicht glaubt, dass etwas sein könnte. Ein Rundum-Check-up, Herz, Lunge, Schilddrüse, großes Blutbild – und einen Blick auf die Prostata. „Wie meinen? Es ist ja nicht so, dass ich mir nicht gerne mal am Hintern rumfummeln lasse, aber doch nicht von ihnen, lieber Doktor und vor allem nicht im…“. „Doch, doch, das muss dann auch schon sein“, sagte er mit einem Feixen. Na ja, schöne Hände hat er ja. Um es kurz zu machen, ich habe alle Untersuchungen inkl. der Fummelei über mich ergehen lassen. Alles ohne Befund. Wie schön. Beziehungsweise, wie unschön. Ratlos saß ich wieder vor meinem Onkel Doktor und harrte der Dinge, die da kommen. Oder auch nicht. Mir ist vorher nie aufgefallen, wie unverschämt er grinsen kann. Wahrscheinlich bin ich doch todkrank und mein Arzt feixte blöde. Und das, wo ich in Gedanken bereits wieder auf Urnensuche war. Niemand versteht mich, niemand bedauert meinen desolaten Zustand, nicht mal mein Medizinmann.

„Haben sie schon mal etwas vom „männlichen Klimakterium“ gehört?

„Hä?!“

Eh ich mich versah, durfte ich mir anhören, dass bei älteren Männern, wobei er offensichtlich mich meinte, die Blutspiegel männlicher Sexualhormone progressiv absinken, die Konzentration abnimmt, Nervosität, nachlassendes Gedächtnis, depressive Verstimmungen, Schlafstörungen, verminderte Libido, Antriebslosigkeit und eben Gliederreißen, Gewichtszunahme und Schweißausbruchattacken für eines sprechen: Das männliche Klimakterium, auch Andropause genannt. Pause? Hatte ich eigentlich irgendetwas von dem verstanden, was er sagte? Ich fürchte, nicht. Er sah, dass ich fürchtete und klärte mich zusammenfassend in einem kurzen Wort auf.

Wechseljahre.

Will der mich verkackeiern? Nein, er wollte nicht und ich war geneigt, ihm mit seiner Tastatur einen eleganten Scheitel zu ziehen. Als hätte er meine böse Absicht gerochen, hielt er sich an selbiger fest und redete beruhigend auf mich ein. Obwohl nicht eindeutig bewiesen, kommen offensichtlich auch Männer in die Wechseljahre, so ab 40 und überhaupt. Als ich mich verdampfte, klopfte Herr Doktor mir freundschaftlich beim Abschied auf die Schulter und versicherte, dass mein Zustand sich bald wieder regenerieren wird. Na denn, vielen Dank für die Information. Wechseljahre, das ich nicht lache.

Ich geh dann mal weinen.

Bitterlichst.

 

12 Meinungen zu “Männlich ist die Andropause

  1. ach, wie wahr der Kommentar von Ucre,

    “je mehr Testosteron du als junger Kerl hattest”…….

    Warst bestimmt ein heißer Fescher. Smile

  2. JA das gibts, und um so heftiger, je mehr Testosteron du als junger Kerl hattest. Hab vor ein paar Jahren dazu schon einen medizinischen Vortrag gehört, weil ich dachte die Männer in meinem Umfeld spinnen plötzlich alle. Aber keine Sorge, das dauert so lange wie’s auch bei uns dauert :0, mehr oder weniger Jahre, je nachdem was man daran tut. Don’t worry.

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