…auf und ab und vor und zurück, rechts und links und immer wieder von Vorne.
Manchmal gibt es Momente, da könnte ich vor innerer Sprachlosigkeit schreien. Dann, wenn sich so ein undefinierbares Gefühlschaos in mir, in meiner Brust aufmacht, mich völlig kirre werden zu lassen. Dann, wenn es plötzlich in mir brennt, als hielte jemand von Innen einen Flammenwerfer auf alles, was mich ausmacht und willens ist, dieses Ich in Schutt und Asche zu flammen. Dann, wenn ich da tief in mir koche und gleichzeitig vor eisiger Kälte friere. Dann, wenn es ist, als würde da etwas in mir wie ein wildes, ängstliches Tier vor und zurück, auf und ab und rechts und links springen. Als würde da etwas in mir an die Oberfläche kommen wollen, etwas aus mir herausplatzen, was so lange Zeit in der von mir auferlegten Gefangenschaft dahinvegetieren musste und so nicht mehr sein möchte.
Momente, die mir den Atem nehmen, Momente, die meine seit langem aufrecht erhaltene Kontrolle über mich und meine Gefühle in Frage stellen. Die diesen Mechanismus des Selbstschutzes, der mir so eigen und selbstverständlich geworden ist, außer Kraft setzen wollen, diesem trügerischen Schutz seine vermeintliche Berechtigung nehmen wollen. Momente, die mich zusammenbrechen lassen, innerlich und manchmal weinend wie ein kleines Kind mit dem Wissen eines Erwachsenen der allzu gut weiß, dass Hoffnung ein großer, mächtiger Begriff ist, und nicht zuletzt sterben kann. Dann, wenn meine Gedanken, meine Zweifel wie dieses wilde, verletzte Tier in mir ebenso rasen, wenn sie meinen Kopf zu zerbersten drohen und meinen sehnsüchtigen und wehmütigen Hunger nach dem, was andere Freiheit nennen, den Garaus machen wollen. Vermeintlich.
Augenblicke, schon so viele davon, über so viele Jahre. Selbstschutz und Kontrolle. Etwas, was mich lange Zeit hat überleben lassen, was für so lange Zeit dafür gesorgt hatte, dass ich nicht durchdrehe, dass die Gedanken und Erinnerungen längst vergangener Zeiten nicht mein tägliches Sein bestimmen und es doch taten. Bilder, die wie eingemeißelt in mir ihren festen Platz haben und nicht verblassen wollen. Die mich nicht vergessen lassen haben, dass ich sie nicht gemalt habe und sie doch zu mir gehören, wie mein unermüdlicher Herzschlag, der mich letztlich hat weiter leben lassen.
Himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt, immer wieder und immer mit der gleichen, schmerzenden Intensität des Verloren seins. Keines klaren Gedankens mehr fähig zu sein, in solchen Momenten. Gefühle, die endlich aus mir herauswollen, die gesehen und beachtet werden wollen und die doch Angst davor haben, ungesehen im Nichts zu ersticken. Wieder mal und schon so oft.
Und wie heute.
Auf und ab und vor und zurück, rechts, links, immer wieder von Vorne und doch ist irgendetwas anders. In diesem Chaos aus Gedanken und Gefühlen. In mir. Es ist wie ein Flüstern, wie eine zarte aber mahnende Stimme, die mir etwas ganz Bestimmtes sagen will. Heute, hier und jetzt. Ich kann sie hören, kann fühlen, was sie mir nahe, mir deutlich machen will. Merke, wie ein Begreifen langsam und vorsichtig in mein Bewusstsein dringt, wie sich so etwas wie Erkenntnis formuliert. So klar und doch so verwirrend. Für mich.
Selbstschutz? Kontrolle?
Wofür noch?
Hoffnung? Freiheit? Frieden?
Vielleicht.
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Wer kennt dieses Gefühlschaos nicht? Vieles verbirgt sich aus Selbstschutz in unserer Seele und wartet dennoch darauf, wieder entdeckt und gelebt zu werden. Deine Erkenntnisse gefallen mir sehr gut, da ich einiges davon sehr gut nachvollziehen kann. Weiter so!
…ich sag einfach und nur mal so: Danke! ^^
Es entlockt mir immer wieder ein fast sprachloses Staunen, mit welcher Intensität du in der Lage bist, Gefühle zu beschreiben, die mir in dieser Form Gott sei Dank bisher erspart geblieben sind.
Du versetzt mich als Leser in die Lage, sie nach empfinden zu können.
Lösungen kann ich dir nicht anbieten, aber meine Freundschaft ist dir sicher.
Ja klar, kenne ich auch diese Gefühle. Weil wir nicht sein durften, wie wir wollten und sein mussten wie wir es nicht waren, hat sich das eine vom anderen getrennt und kann heute nur sehr mühsam in Einklang gebracht werden. Es muß raus, weg, fort. Das eine Konzept kennen wir, das was uns als scheinbar richtig vermittelt wurde und vor dem anderen haben wir Angst. Und genau dazwischen verweilen wir und leben in Angst und Schmerz. Es gibt nur einen Weg, den zu gehen bedeutet Mut. Kontrolle und Selbstschutz abgeben klingt gut und gleichzeitig angsteinflößend. Manchmal würde ich die Kontrolle gerne mal verlieren, denn dieses Gefühl kurz vor der Ohnmacht zu stehen ist wahrscheinlich viel anstrengender und mühevoller, als einmal die unmögliche Selbstkontrolle aufzugeben. Wenn ich nur schon wüsste wie…
Deine Schilderung gibt einen tiefen Eindruck, gleichzeitig bin ich dankbar, dass ich nichts davon kenne, nicht erleben muss.
Du und ich, wir kennen uns so lange. Schon, als wir uns zum ersten Mal angesehen und beide gelächelt haben, kannte ich dies Lächeln. Wie wenn man unter lauter Fremden plötzlich einen Freund wiedererkennt, den man lange nicht mehr zu Gesicht bekommen hat. Ein warmes Gefühl, das das Herz ganz weit macht.
Du und ich wir haben nebeneinandergesessen auf der weißen Bank hoch oben über der Stadt und hinuntergeschaut auf den Fluss der Zeit. Geredet haben wir dort und mehr noch geschwiegen, während wir auf das glitzernde Wasser sahen und unsere Seelen einander an den Händen hielten.
Dort auf der Bank werde ich immer einen Platz neben mir frei haben.
Für dich…
…da schniefe ich doch mal still in mich hinein, weißt schon.
Du beschreibst diese Gefühle so gut, dass ich sie mitfühlen kann. Die Hoffnung nie aufgeben und vielleicht die Kurve nach unten seltener befahren? Das wünsche ich jedem, der diesen Gefühlen ausgeliefert ist. Danke für den Text.
Wieder mal ein Text von dir, der atemstockend inne halten und in sich gehen lässt. Ich kenne zur Zeit keinen anderen Onlineautoren, der es schafft Gefühlszustände mit solch einer Dichte in das Bewusstsein der Leser zu schreiben. Und das mit schonungsloser Offenheit sich selbst und seinen Gefühlen gegenüber. Ehrlich, direkt und mit einer Intensität, die einen nachdenklich zurücklässt. Ich kann mich den Vorkommentatoren nur beipflichtend anschließen: stark! Danke dafür.
Ein starker Text, der mir unter die Haut geht!
Steckt nicht in jedem von uns zeitweise so ein “wildes Tier”, das nach Freiheit der Gedanken und der eigenen Wahrnehmung sucht?
Schön, dass es hier Freigang bekommt!
Und denk dran:
Und morgen wird die Sonne wieder scheinen
und auf dem Wege, den ich gehen werde,
wird uns, die Glücklichen sie wieder einen
inmitten dieser sonnenatmenden Erde…
und zu dem Strand, dem weiten, wogenblauen,
werden wir still und langsam niedersteigen,
stumm werden wir uns in die Augen schauen,
und auf uns sinkt des Glückes stummes Schweigen…
Text zum Richard Strauss Lied: Morgen…
…ohne weitere Worte: schön. ^^
Eindringlicher Text,
vielleicht…mehr Gelassenheit…ertragen können, auch sich selbst, das ist für viele sehr schwer, daher bekämpfen sie sich oft selbst im Anderen…
das wäre…sicher…schon sehr viel und weiter als viele kommen…
Vielleicht auch die zunehmende Erkenntnis, das Selbstchutz und Kontrolle mal für eine Zeit lebensnotwendig waren, und das heute nicht mehr sein muss. Vielleicht.
Danke dir! ^^