Fremde von Bille
den sie einst gegangen sind.
Manche eine Heimat fanden,
für sich selbst, für Frau und Kind.
Viele aber Fremde blieben
in der unbekannten Welt.
Briefe in die Heimat schrieben,
schickten hart verdientes Geld.
Worte, die sie nicht verstanden,
unbekannte Lebensformen,
das wars, was sie bei uns fanden,
Leben jenseits ihrer Normen.
Fremd für uns war ihre Sprache,
ebenso wie die Kultur.
Toleranz nicht unsre Sache.
Warn doch Fremdarbeiter nur.
Manche ihrer Traditionen
nicht in unser Weltbild passt.
Separat ließ man sie wohnen,
ungeliebt, oft auch gehasst.
Dennoch haben sie´s geschafft,
fremd noch, aber Nachbarn auch.
ihren Schleier halb gerafft,
und so manchen alten Brauch.
Gingen sie nach all den Jahren
wieder in ihr Heimatland,
wären sie, was sie hier waren,
Fremde, die man nicht verstand.
© Sibylle E.

Bildquelle: © Aquarell von Marianne SEB
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Frische Kommentare







13. März 2010 um 09:59Uhr
Gefällt mir sehr, zumal ich viele mit denselben Augen betrachte. Schon seit sehr vielen Jahren, als erst die Italiener kamen. Nicht alle sehe ich aber so verständnisvoll, nein. Die Menschen sind unterschiedlich, die Eigenschaft “Fremdsein” ist eine unter vielen.
Übrigens:
In “meinem” Krankenhaus sind viele Schwestern und Pfleger aus Osteuropäischen Ländern und aus der Türkei. Und Ärzte aus Ostasien. Und meine Stationsärztin eine wahnsinnig nette Türkin! Ich frage mich, ob und wie wir Deutschen ohne diese tüchtigen Leute den KH-Betrieb aufrechterhalten sollten? Ich glaube kaum, dass es genügend deutsche Bewerber für Pflegeberufe gibt!
13. März 2010 um 20:07Uhr
Bille, klasse Text
Ilse,
seh ich ähnlich wie Du.
Ich denke allerdings, dass es im Kleinen sehr viel besser klappt als im Großen. Ich wohne seit über 30 Jahren in einem Gebiet wo mehr und mehr Fremde sich niedergelassen haben. Türken, Schwarze, Russen, Polen, Afghanen, Iraner. Seltsamerweise sind es sehr oft die Deutschen, die sich negativ äußern, die nicht akzeptieren wollen, dass z.B. die Türken ihre Schuhe vor der Türe lassen.
Dabei empfinde ich diese Menschen als Bereicherung und unsere Wirtschaft wäre schon lange am Boden.
Aber dieses Thema ist ein weites Feld, als dass man es hier fair und gut belichtet betrachten könnte.
13. März 2010 um 22:28Uhr
So viel in so wenig Text zu verpacken ist schon ein Kunststück. Bereichernd wär aus meiner Sicht schon oft , nicht Tourist und Urlauber , sondern selbst mal Ausländer zu sein . Hatte das positive Erlebnis als junger Mensch in Saudi Arabien und jetzt in den Niederlanden . Angenehme Kontraste !
Zu den Deutschen - wenn diese Ihre eigenen Landsleute aus Süden , Norden , Westen, Osten
schon abwerten in dem Sinne , dass man selbst der einzig wahre deutsche Stamm sei, und das schon am Beispiel Hamburgs im tiefen Süden an der Elbe beginnen kann ( Harburger Quitches) dann ist das nicht unbedingt ein Garant für Toleranz .
14. März 2010 um 02:09Uhr
ihr sprecht mir aus dem herzen.
ich arbeite ja mit diesen menschen und erfahre viel aus deren heimat da ich diese nicht kenne. vornehmlich dem irak, und nun zunehmend oppositionelle familien aus dem iran.
was ich auch erlebe sind oft sehr scheue, traumatisierte menschen voller herzlichkeit, welche nach einer kurzen phase des kennenlernens mit mir gerne eine tasse tee, oder mal ein traditionelles essen aus ihrer heimat genießen.
ich versuche für diese familien deutsche freunde zu finden, die ihnen den weg in eine ihnen völlig fremde welt etwas erleichtern helfen. menschen denen weltoffenheit etwas bedeutet, denn beide seiten partizipieren in einer gewissen weise von einander.
wenn ich tatschlich einmal sprachliche unterstützung benötige habe ich in meiner nähe die zentrale des goethe-institut, wo mir immer freundlich geholfen wird. ich bin da oftmals zu vorträgen und konzertanten aufführungen eingeladen. es ist immer ein genuß menschen aller nationen zu begegnen und mit ihnen zu kommunizieren.
eines ist mir bisher im gegensatz zu unserer hiesigen bevölkerung angenehm aufgefallen, neid und missgunst scheinen fremdwörter für diese dort vertretenen nationen zu sein. es ist ein sehr angenehmer zug, der wenn ich mich an meine kinderzeit erinnere bis ca 1955 auch hier noch nicht herrschte.
liebe bille, danke für dieses gedicht welches in aller kürze so vieles aussagt.
15. März 2010 um 11:13Uhr
ja - sehr viel in wenigen Worten ausgedrückt - gefällt mir sehr!
zum Inhalt - mir persönlich ist es gleich, wer woher kommt, wer welcher Nation oder Religion angehört, wenn er denn bereit ist sich einzufügen insoweit, daß er unsere Lebensformen und Gebräuche akzeptiert und sich auch bemüht unsere Sprache zu erlernen. Ich stimme Ilse da zu ” Fremdsein ist nur eine Eigenschaft unter vielen”
Im Wesentlichen aber empfinde ich das Dasein und das Zusammenleben so vieler unterschiedlicher Menschen in unserem Land als große Bereicherung - sowie im kulturellen als nicht zuletzt auch im kulinarischen Bereich.
Und ohne die Hilfe der “Gastarbeiter” wäre unser Land wohl kaum da, wo es jetzt ist!
15. März 2010 um 11:20Uhr
Beim lesen deines treffenden Textes hatte ich ein *Déjà-vu Gefühl bis ich darauf kam, daß ich den bereits hier unter deinem anderen Namen las:
http://www.platinnetz.de/artikel/fremde-273723
Wie klein die Internetwelt doch ist!
Ich habe bei Platinnetz auch einige Gedanken veröffentlicht und finde es dort aber eher recht seltsam, fühle mich unwohl so wie dort offensichtlich zu jeder Zeit gezetert und gegiftet wird. Das ist nicht mein Ding. Aber zu deinem Text.
Was wäre wenn kein einziger Mensch ein Fremder wäre, alle gleich und ohne Unterschiede? Hätten wir dann eine bessere Welt, friedlich und alle vorbehaltlos freundlich gesinnt? Ich glaube nein denn der Mensch scheint mir nicht gemacht, Freund zu sein. Die meisten jedenfalls nicht. Was denkst du?
Jeremias
15. März 2010 um 12:04Uhr
Erst mal allen Danke für eure Gedanken dazu.
Tja, Jeremias, die Internetwelt ist wirklich klein
Ich denke, dass es möglich sein kann, nein muss, dass Menschen verschiedener Kulturen als sich respektierende Nachbarn zusammen leben können. Nicht jeder Mensch, auch aus meinem Kulturkreis, ist mein Freund, und so kann es auch nicht jeder Fremde sein.
Aber ihnen eine Chance geben, das können wir. Viel zu lange haben wir die Arbeitskräfte, die wir brauchten, nicht als Menschen betrachtet. Das haben wir m.M. nach viel zu spät erst erkannt, haben einer Ghettobildung fleißig Vorschub geleistet. Das rächt sich jetzt.
Es gibt sehr viele türkische Familien in meiner Nachbarschaft, die, ohne dass sie ihre Kultur verleugnen, sich trotzdem angepasst haben, ebenso wie wir als Deutsche auch sie als Nachbarn annehmen.
Manu hat es schon geschrieben, wichtig ist natürlich die Sprache zu lernen, des Landes, in dem man lebt.
Allerdings gab es anfangs kaum Möglichkeiten für die ersten, die kamen. Man mied sie, steckte sie in Container und betrachtete sie nur als Arbeitskräfte, die halfen, unser “Wirtschaftswunder” kräftig mit aufzubauen.
Es gäbe noch ganz viele Aspekte, über die man diskutieren könnte.
Mich hat einfach das Bild von Marianne SEB zu diesem Text inspiriert, der nur einen kleinen Denkanstoß liefern kann und soll.