Verantwortung von ucre
Als Marcel 8 wird
kann er perfekt staubsaugen,
innerhalb einer Stunde spülen
und die komplette Wohnung
aufräumen.
Dann stellt er penibel
seine Plastikfiguren
wie Soldaten in Reih und Glied
vor seinem Bett auf.
Er lässt sie alles
und jeden angreifen,
schreiend, erbarmungslos
tötend zuschlagen
in seiner Angst.
Abends liegt er angespannt,
starr, ohne Schlaf
in seinem Bett.
Er muss ja eingreifen,
wenn die Flaschen poltern
und die schweren Schritte
des Vaters unsicher werden,
wenn der Streit losgeht.
Dann steht er auf,
knatscht, jammert, quengelt.
Lenkt ihre Aufmerksamkeit auf sich.
Solange sich ihr Ärger
auf ihn richtet,
sind sie sich einig.
Später, in der Nacht
sieht er nach,
ob sie auch beide
in ihren Betten liegen.
Er muss sie anfassen,
damit er glauben kann,
dass sie beide noch da sind.
Immer hat er Angst,
traut sich nicht,
wegzugehen zum Spielen.
Traut sich nicht mehr
zur Schule.
Traut sich nicht,
sich zu verabreden.
Traut sich nicht zu leben.
Bald traut er sich selbst nicht mehr.
Er wächst ein paar Jahre
und um viele Zentimeter.
Seine Schultern werden so schwer,
wie die Verantwortung,
die er schon so lange
übernommen hat.
Und es ist in dieser Zeit
-da nimmt er selbst
den ersten Schluck.
©Ucre

Bildquelle: © Zeichnung / Ucre
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Frische Kommentare







22. Februar 2010 um 08:55Uhr
Es macht mich immer wieder wütend, solche Geschichten zu lesen, weil ich weiß, dass sie täglich überall passieren…und niemand will was bemerkt haben…
22. Februar 2010 um 23:34Uhr
ja, sowas ist erschütternd. Und Kinder sind so entsetzlich wehrlos. Aber was könnte ein Nachbar, der die Zankereien durch die Wände hört, und der die Angst und Anspannung im Kindergesicht wahrnimmt, tun? Mit den Eltern reden? Behörden einschalten? Das einzige wäre wohl, das Kind oft einladen und ihm Freuden machen.
23. Februar 2010 um 13:47Uhr
@ Gummibrötchen - es gibt schon die Möglichkeit mit der “Feuerwehr” beim Jugendamt zu sprechen, ohne dass das Anschwärzen heißt. Im Sinne der Prävention wird dann agiert und Sozialpädagogen versuchen, der Familie Hilfe anzubieten! Leider trauen sich die meisten nicht, das auch zu tun - warum auch immer.
Dein Vorschlag, dem Kind immer wieder Freuden zu bereiten ist zusätzlich gut
23. Februar 2010 um 18:34Uhr
Meine liebste und älteste Freundin arbeitet beim Jugendamt, und die ist manches Mal fertig heim gekommen ob dem, was sie tagtäglich zu sehen bekommt…
Schlimm ist nicht nur, wenn ein Kind das erleben muss, ebenso, wie sich so oft die Spirale weiterdreht, und jenes später wiederholt, was es erlebt hat - weil es das ja nicht anders kennt - und das nicht nur Alkoholismus betreffend.
Und ich fürchte, je mehr in unserer Gesellschaft die Mittelschicht schwindet und Armut im Sinne von Sozialhilfe und Hartz 4 zunimmt, um so weitreichender und häufiger “Zustände” wie oben erzählt - gerade in den sozialschwachen “Getthos” jeder Großstadt. Soviele Leute in den Jugendämtern und anderen sozialen Einrichtungen kann es gar nicht geben, wie Kinder und Familien beschützt bzw. betreut werden müssten…
23. Februar 2010 um 19:04Uhr
@ Micha, für mich stellt sich gar nicht immer so oft die Unterschicht, wie es so abwertend heißt, dar, sondern in den wohlbehüteten Häusern, in denen nach außen eine unerträgliche Fassade getragen wird, ist es ja genauso. Nur lässt sich da fast jeder blenden. Mir stellt sich die Frage inwiefern wir alle überhaupt noch nach Werten, die auch Wertschätzung bedeuten, leben. Inwiefern ist jeder bereit Verantwortung zu tragen, insbesondere wenn ich Kinder habe, und nicht gleich nach fordernd schreie, dass mir andere gefälligst zu geben haben, damit ich mein Leben nur ja weiterhin in die Verantwortung anderer Hände schieben kann. Wie viele gibt es noch (Gott sei Dank auch noch welche), die ihr Leben so planen, dass sie auch in kniffligen Situationen erst einmal selbst etwas dazu beisteuern, dass es besser wird. Das wäre allein schon dann der Fall, wenn wir aufmerksamer wären, uns dann auch engagieren anstatt wegzuducken. Das ist nicht leicht, im Gegenteil, es ist unangenehm, stellt mich in den Fokus und macht Mühe, anstatt dass ich den Arsch vorm Fernseher noch breiter werden lasse. Tschuldigung, aber ich muss mal so deutlich werden. Und für diejenigen, denen Armut und Hartz IV, Alkohol und Drogen zu schaffen machen, wäre eine Wertegesellschaft sehr viel hilfreicher im Endeffekt, als das ständige Hineinschieben und Nachgeben und Wegsehen, denn dann erfahren sie auch keine Wertschätzung im Sinne von Vertrauen, dass sie auch etwas schaffen können. Nur das gibt nämlich auch Selbstvertrauen und Selbstachtung. Somit könnten dann auch die Familienhelfer, Sozialarbeiter und Jugendhelfer wieder entspannter arbeiten, anstatt so langsam aber sicher in immer noch mehr Fällen zu ertrinken und dabei das Gefühl zu haben, sie werden von der ganzen Nation immer nur noch mehr belastet und verantwortlich gemacht.
23. Februar 2010 um 19:17Uhr
Ja, Uschi, stimme dir natürlich ausnahmslos zu - auch und selbstverständlich dem, dass es ganz und gar nicht “nur” die sogenannte “Unterschicht” (was für ein Scheißbegriff in der heutigen Zeit…) betrifft, auf die der Focus besonders liegt - was in den vermeintlich “besseren Familien” zum Teil abgeht, ist in seinem Ausmaß oft auch nicht ohne, also in Bezug auf psychische Abgründe und deren Folgen.
Tja, Werte - ich meine aber auch zu sehen, dass gerade ältere Kinder und Jugendliche wieder beginnen, Werte zu schätzen und zu leben - und es kommt mir dabei so vor, als wäre das aus eigenem Antrieb, als würden sich so manche Kinder und Jugendliche aufmachen, dem allgemeinen Werteverfall entgegen zu leben - und damit zu zeigen, es ging und geht auch wieder anders.
Wäre schön, wenn das nach und nach “übergreifend” geschieht, denn wie heisst es so schön - Kinder sind die Zukunft.
Ich sehe das bei den Kindern meiner Schwestern - die sprechen eine schöne, klare Sprache, haben ihre Vorstellungen vom Jetzt und Später und sind wirklich prima in ihrer Erziehung “gediehen”, auch wenn es nicht immer einfach war. Das finde ich klasse - und ich bin stolz und glücklich, dass meine Schwestern gewisse Dinge eben nicht wiederholt, sondern es anders und besser gemacht haben.
23. Februar 2010 um 20:00Uhr
Micha, genau das meine ich, sein Leben einfach mal selbst in die Hand nehmen - es lohnt sich und diejenigen können mit Recht stolz auf sich sein. Unterstützung zur Selbsthilfe, die gebe ich jederzeit gerne!
Was du beobachtest bei den Jugendlichen, habe ich auch schon gesehen - ich hoffe, es gibt da wirklich einen Umschwung in der nächsten Generation und die jetzige fasst sich mal an die Nase!